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23.05.2017 17:53 Alter: 178 days
Kategorie: Chrischona Gemeinschaftswerk Deutschland
Von: Günter Kreß

Voneinander lernen

"Runder Tisch" tagt in Friedberg


Voneinander lernen - Gemeinsam Kräfte bündeln

„Wir sind Einladende – und ermutigen Ratsuchende dazu, sich darauf einzulassen, am Familienbrett ein Bild zu ihrem Anliegen zu entwickeln, anzuschauen und mit unserer Unterstützung zu bearbeiten…“

Stadtmission Friedberg, kurz nach 10 Uhr Vormittags. In dem sonnengefluteten Raum,  der sonst für Kindergruppenarbeit zur Verfügung steht, duftet es nach Kaffee, der aus großen Tassen vor sich hin dampft. Gerade haben sich die 15 Teilnehmer des regionalen CGW-Netzwerktreffens „Beratung-Seelsorge-Diakonie“ noch mit leckeren Laugenbrötchen versorgt, vibrierte der Raum vom fröhlichen Hallo, „Schön Dich zu sehen“, lebhaften Gesprächen und herzlichem Lachen. Jetzt sitzen die Fachkräfte und semiprofessionellen Mitarbeiter aus psychosozialen Beratungsstellen, Seelsorgeteams und gemeindediakonischer Projektarbeit konzentriert am „RundenTisch“.

 

Bauch meets Hirn

Es herrscht Seminaratmosphäre. „Das hier ist nur für Sie und entsteht aus Ihnen. Sie können nichts falsch machen, weil Sie nichts richtig machen müssen….“, demonstriert Multifamilientherapeut Günther Kreß einen möglichen Einstieg mit Ratsuchenden in die Arbeit am Familienbrett. Der stellvertretende Leiter der diakonischen Beratungsstelle „Freiraum“ (Mücke-Flensungen) ist heute in die Rolle des Referenten geschlüpft. Thema seines Fachimpuls: „Bauch meets Hirn – Lösungen mit dem Systembrett“.  Anhand von Fallbeispielen, szenischen Darstellungen und praktischen Übungen setzt sich die kollegiale Fachgruppe in zwei Arbeitseinheiten mit den Basics des methodischen „Dauerbrenner“ in der modernen Beratungsarbeit auseinander. Die Kollegen reflektieren eigene Erfahrungen zur Arbeit mit dem Systembrett, üben sich in Beobachtungen und systemischen Fragetechniken: „Ich möchte dich dazu einladen, dir das Bild, das du gerade gestellt hast, einmal aus verschiedenen Blickwinkeln anzuschauen… Gibt es einen spontanen Gedanken, ein Gefühl oder eine Überschrift zu dem, was du gerade siehst?“ – „Du sagst das gerade so betont: Welches Familienmitglied würde das jetzt auch so sagen und unterstreichen, - und wer würde Dir möglicherweise ganz vehement widersprechen?“…  

Stille als Geschenk

 „Mir ist wieder neu bewusst geworden, wie bedeutsam Wahrnehmung, Wertschätzung, oder auch mein eigenes Bauchgefühl im Umgang mit Ratsuchenden sind“, sagt später eine Psychotherapeutin.  mit eigener Praxis im Wetteraukreis. Ein Mitarbeiter in der Seelsorgearbeit freut sich über die praktischen Übungen am Familienbrett: „Dass es so einfach sein kann, mit Playmobilfiguren in tiefgehende Gespräche einzusteigen hat mich echt überrascht. Eine geniale Möglichkeit, sich mit inneren Haltungen und Glaubenssätzen auseinanderzusetzen und auf Lösungen hinzuarbeiten“. „Mich hat beeindruckt, welchen Stellenwert Du unter anderem der Stimmführung und Pausen im Beratungsprozess gegeben hast“, kommentiert eine Psychologin enten in ihrem „feedback“ zum Fachimpuls: „Ich glaube, dass Stille ein ganz wunderbares Geschenk an unsere Klienten ist, die dazu hilft Blockaden zu lösen und Unbekanntes hervortreten zu lassen“.

Am Netzwerk knoten

Der „Fachimpuls“ ist fester Bestandteil jedes Netzwerktreffen, bei dem es den Teilnehmern darum geht, im Kollegialen Austausch voneinander zu lernen und regionale Kooperationen zu entwickeln von denen Ratsuchende, Beratungsstellen und Gemeinden gleichermaßen profitieren können. „Kernanliegen aller Netzwerktreffen ist das Miteinander von professionell und  semiprofessionell in Beratung, Seelsorge und Gemeindediakonie aktiven Mitarbeitern“, betont denn auch Thomas Sackmann, Pastor, Systemischer Coach und Leiter der Initiativ- und Steuerungsgruppe der Netzwerkarbeit „Beratung, Seelsorge und Diakonie“ im Chrischona-Gemeinschaftswerk.  Sechs regional selbständig organisierte „Knotenpunkte“ sind in der BSD-Netzwerkarbeit zwischenzeitlich entstanden, „alle mit spezifischen Schwerpunktsetzungen entsprechend der regionalen Gegebenheiten“.  Im Raum Lörrach (Baden), Heidenheim (Schwäbische Alb), Saarbrücken (Saarland), Oppenheim (Rheinhessen), Heinebach (Waldhessen) und Mücke-Flensungen (Oberhessen) zeichnen dafür Mitarbeiter unterschiedlicher Professionalität verantwortlich. Sie treffen sich in der Regel jährlich einmal im Spätherbst zu einem überreifenden Forum, um miteinander weiter am Netzwerk zu knoten.

Aktiv und lebendig, fachlich engagiert, kompetent in der Region

Ausrichter des regionalen Netzwerktreffens in Friedberg war die diakonische Beratungsstelle „Freiraum“ in Mücke Flensungen. Auch im „Freiraum“ wird fleißig am Netzwerk geknotet. Aktuelle Kooperationen bestehen mit dem regionalen Beratungs- und Förderzentrum des Wetteraukreises (Gabriel-Biehl-Schule), mit dem Erziehungsstellenverein Hessen und mit einer psychosozialen Beratungsstelle. Weitere Kooperationspartner, darunter eine Schule, haben Interesse an einer engeren Zusammenarbeit angemeldet.

Zum multiprofessionellen Team der Beratungsstelle gehören Mitarbeiter mit psychologischer, pädagogischer, psychotherapeutischer und systemischer Ausbildung; im Kernteam arbeiten derzeit 5 Personen zusammen. Zukunftsweisende und bedarfsgerechte Angebote entwickeln sich insbesondere im Bereich der Arbeit mit Familien. Das klassische Beratungsangebot umfasst Einzel- und Paarberatung.