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30.06.2016 13:52 Alter: 1 year
Kategorie: Gemeinden
Von: Martin Frische

Mit einem Brief fing es an ...

Zur 50-jährigen Geschichte der Evangelischen Stadtmission im Südlichen Afrika (ESSA)


Als im Jahr 1966 Mareile Wortmann einen Brief an die Pilgermission St. Chrischona schickte ahnte keiner, welch weitverzweigte Gemeindearbeit dadurch auf der südlichen Halbkugel entstehen würde. Frau Wortmann, Tochter des bekannten Pastor und Evangelisten Ernst Modersohn (1870-1948), verschlug es auf abenteuerliche Weise nach Südafrika. Die Zehntausenden von Deutschsprechenden, von den Kirchen so gut wie nicht erreicht, liessen ihr keine Ruhe. Deshalb schrieb sie am 7.April 1965 an den Chrischona Direktor und bat um die Aussendung eines Missionars.
Noch im selben Jahr wurde Lothar Buchhorn als erster Missionar ausgesandt, dem in den folgenden fünf Jahrzehnten weitere folgen sollten. Kaum einer der Immigranten hätte sich zu einem Gottesdienst oder einer Bibelstunde einladen lassen. Doch auf Wildsafaries nach Botswana, zu Wanderungen in den Drakensbergen oder Camps an den traumhaften Stränden Südafrikas kamen sie gerne mit. Für die oberen Klassen der Deutschen Schule wurden ausserdem zusammen mit der Biologielehrerin Exkursionsfahrten in die Wildnis gemacht. Abends beim Lagerfeuer wurde über den Glauben an Jesus Christus gesprochen und für viele wurden diese Fahrten und Camps zum Wendepunkt ihres Lebens.
Bald kamen regelmässige Veranstaltungen dazu: Offene Abende, Teenagerkreis, Bibelstunden, Gesprächskreis für junge Erwachsene. Und auch geographisch breitete sich die Arbeit aus. Nach Johannesburg folgten Kapstadt (1974), Pretoria (1983), Vanderbijlpark (1987) und Tygerberg (1994). Auch im benachbarten Namibia kam es zu Gemeindegründungen: in Windhoek (1977) und in Swakopmund (2008).
Aus einer missionarischen Pionierarbeit entstanden so in diesen 50 Jahren christliche Gemeinden. Vieles ist ähnlich wie in Europa: Es gibt Gottesdienste, Kindergottesdienst, Bibelstunden, Jugendkeise, Seniorenarbeit, Konfirmandenunterricht, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen.
Und doch gibt es Unterschiede: Die Arbeit geschieht in einem multikulturellen Umfeld, wo Deutsch nur eine Sprache und Kultur unter vielen ist. Das führt dazu, dass sich die Menschen eher ansprechen lassen als in Europa.  Dazu kommt, dass es an manchen Orten missionarische Möglichkeiten gibt, von denen viele in Europa nur träumen: Andachten im nationalen Rundfunk, in der Tageszeitung, in Schulen und sogar bei den Sitzungen der Stadtverwaltung.
Staunend sehen wir Gottes Segensspuren im Leben unzähliger Menschen. Viele, die heute in aller Welt verstreut leben, fanden nicht nur in den Stadtmissionen Jesus als ihren Heiland und HERRN, sondern auch ihren Ehepartner. Viele gaben ihren Beruf auf und wurden Missionar, Pastor oder Gemeindediakon und viele andere sind engagierte Mitarbeiter in ihrer Gemeinde.
Gott allein gehört alle Ehre. Denn nur ER verändert Menschen. Er hat es getan und möchte es auch in Zukunft tun. Was können wir uns für die Zukunft mehr wünschen?
Martin Frische
bis zur Pensionierung im April 2016 Pastor der Stadtmission Swakopmund (Namibia)