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03.02.2016 12:36 Alter: 2 yrs
Kategorie: Chrischona Gemeinschaftswerk Deutschland
Von: Michael Gross

Gemeinsam ist immer besser als allein

Gespräch mit Wieland Müller über Chrischona und das CGW


Wieland Müller, 1. Vorsitzender des Chrischona Gemeinschaftswerks Deutschland

„Wir werden noch manche Überraschung erleben, wenn wir die Gemeindearbeit in 20 Jahren betrachten“, ist sich CGW-Vorsitzender Wieland Müller sicher.

Warum will das Chrischona Gemeinschaftswerk Deutschland (CGW) Neues wagen? Warum ist es gut, zu Chrischona zu gehören? Darüber sprach die Verbandszeitschrift Chrischona-Panorama mit Wieland Müller, dem Vorsitzenden des CGW.

Chrischona-Panorama: Die Anfänge der Gemeinschaftsarbeit in Deutschland liegen im 19. Jahrhundert – was davon entdecken Sie heute noch im CGW?
Wieland Müller: Jesus fordert uns auf, hinzugehen zu den Menschen, sie zu Jüngern zu machen und sie zu taufen, bis er wiederkommt. Dieser Auftrag gilt – damals wie heute. Nach wie vor sind wir eine Bibel-, Gemeinde- und Jugendbewegung. Auch entdecke ich heute noch eine Chrischona-Identität in den Gemeinden, spüre ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Sie geht unter anderem von vielen hauptamtlichen Mitarbeitern aus, die etwas Wesentliches gemeinsam haben: eine Ausbildung am Opens external link in new windowTheologischen Seminar St. Chrischona (tsc).

Chrischona-Panorama: Gibt es weitere Beispiele für die Identifikation mit Chrischona?
Wieland Müller: Natürlich stiftet schon der Name Identität: Evangelische Chrischona-Gemeinde – da steckt Chrischona drin. Durch Studenten, die in Gemeinden ein Praktikum machen, werden Chrischona und das Theologische Seminar bekannt. Im vergangenen Jahr haben tsc-Studenten Gemeinden in Nordhessen besucht, hielten Bibelkreise, gestalteten Jugendabende und wirkten in Gottesdiensten mit. Die jungen Leute, die da unterwegs waren, haben die Internationalität von Chrischona abgebildet. Für viele Gemeinden im CGW ist St. Chrischona nicht gerade um die Ecke. Da sind solche Begegnungen umso wertvoller.

Chrischona-Panorama: Das CGW ist als selbständiger Verein Mitglied im Verband Chrischona International. Sie gehören dem Leitungsteam des Verbandes an. Was bedeutet es dem CGW, Chrischona International anzugehören?
Wieland Müller: Ich fange mal anders an: Das CGW gehört als freies Werk zur Evangelischen Landeskirche in Deutschland (EKD). Wir sind der Kirche nicht unterstellt, sondern fördern und leben den Glauben im Rahmen der Kirche. Dann gehören wir zum Opens external link in new windowGnadauer Gemeinschaftsverband, der wie wir eine erweckliche Geschichte im Pietismus hat, eine Frischzelle des kirchlichen Lebens ist. Glauben und Leben zu verbinden, ist die Stärke der Gemeinschaftsbewegung, die uns eine gemeinsame Ausrichtung gibt mit 90 anderen Werken im Gnadauer Verband. Und schliesslich gehören wir zu Chrischona International. Das ist unsere Platzanweisung Gottes in seiner Heilsgeschichte. Unsere Wurzeln reichen bis zu den Männern und Frauen, die Chrischona theologisch und geistlich geprägt haben. In dieser Tradition führen wir das CGW weiter. Gott hat uns also da hinein gestellt: in den Chrischona-Verband, in den Gnadauer Verband, in die EKD. Diesen Platz füllen wir gerne aus – in all der von Gott gewollten Vielfalt von Kirche.

Chrischona-Panorama: Warum ist es gut, zu Chrischona zu gehören?
Wieland Müller: Es ist immer besser, mit anderen gemeinsam zu gehen, als alleine zu stehen. Wir bei Opens external link in new windowChrischona International haben in den verschiedenen europäischen Ländern die gleiche missionarische Arbeit zu tun. Uns verbindet der gemeinsame Auftrag, Menschen für Christus zu gewinnen. Das geht gemeinsam immer besser. Sehr bereichernd für das CGW erlebe ich die Ergänzung der Brüder und Schwestern aus der Schweiz, aus Frankreich und aus dem südlichen Afrika. Dass wir zu einem Verband gehören, der eine eigene Ausbildungsstätte betreibt, ist ausserdem viel wert. Am tsc erhalten die zukünftigen Pastoren und Jugendreferenten eine Prägung, die wir als CGW gut und richtig finden.

Chrischona-Panorama: Wie füllt das CGW diese Platzanweisung Gottes in 20 Jahren aus?
Wieland Müller: Den roten Faden der Geschichte spinnen wir weiter: Menschen mit Christus verbinden, das Evangelium zeitgemäss verkündigen – da sehe ich uns auch in 20 Jahren. Christus wird als Haupt der Gemeinde gefeiert und geehrt. Ich sehe uns etwas beweglicher, was Formen und Strukturen angeht – wir werden manches wagen, bei dem man heute vielleicht noch sagt: So geht das doch nicht! Wir werden noch manche Überraschung erleben, wenn wir die Gemeindearbeit in 20 Jahren betrachten.

Chrischona-Panorama: Das CGW will „Neues wagen“ und ein wachsendes Werk sein. Das hört man häufig während Ihrer mittlerweile dreijährigen Amtszeit als CGW-Vorsitzender. Was kann dieses Neue sein?
Wieland Müller: Neues wagen ist ein guter Impuls, der sich bis in den Chrischona-Verband, den Gnaudauer Verband und die EKD auswirkt. Der Impuls, nicht an den Traditionen und Formen festzuhalten, wie der Betrunkene an der Strassenlaterne: hier ist Licht, hier fühle ich mich wohl – denn dann geht’s immer wieder im Kreis um die Laterne herum. Wir wollen neue Formen von Gemeinde denken und ermöglichen. Zum Beispiel mit „Fresh Expressions of Church“ (Fresh X) – neuen Ausdrucksformen von Kirche. Das fordert uns heraus. Die Zeit der Evangelisation über Vortragsabende muss ergänzt werden durch neue Wege der Evangelisation, der Lebensberatung und der Diakonie. Neues wagen wir etwa im neu gestarteten Netzwerk Beratung, Seelsorge, Diakonie. Heutzutage suchen Menschen die Inhalte ihres Lebens immer häufiger im Internet. Dort wollen wir auch als Ratgeber auftauchen und Menschen mit Menschen verbinden. Neues wagen bedeutet für uns auch, bis 2018 drei neue Gemeinden an neuen Orten zu gründen. Das haben wir uns als Ziel gesetzt.

Chrischona-Panorama: Von dem Neuen zurück ins Heute: Welche Stärken machen Sie im CGW aus?
Wieland Müller: Wir sind gross genug, dass kleinere Gemeinden von grösseren unterstützt werden können – diese Solidarität ist eine grosse Stärke. In unseren Gemeinden setzen sich ausserdem viele Menschen ehrenamtlich ein, sie fördern Opens internal link in new windowdie Gemeinden mit hohem Fleiss und hoher Überzeugung. Stark ist, wie die Gemeindemitglieder auch finanziell das CGW tragen. Wir erhalten ja keine Kirchensteuern.

Chrischona-Panorama: Und welche Schwäche, oder anders gesagt, welche Herausforderung fällt Ihnen ein?
Wieland Müller: Hier und da sind unsere Gemeindeprogramme zu sehr nach innen gerichtet. Also auf das, was schon vorhanden ist. Wir könnten noch mehr lieb gewonnene Felder verlassen und uns nach aussen orientieren, zu den Menschen, die noch nicht in den Gemeinden sind. Neues wagen und Fresh X sind Ausdruck dieses Wunsches.

Chrischona-Panorama: Gibt es aktuell Fresh X-Projekte im CGW?
Wieland Müller: Ja, einige Fresh X-Projekte sind gerade in der Startphase und Erfolg versprechend. Zum Beispiel „Church goes Pub“ in Braach. Die Heinebacher und Braacher Gemeinde haben Sonntagabends ein Pub gemietet. Es gibt Live-Musik und normalen Bistrobetrieb. Aber jeder, der am Sonntag das Pub betritt, merkt, hier ist noch was mit Kirche. Der Pub-Abend wird kurz unterbrochen, und jemand berichtet von seinen Erlebnissen mit Gott. Am Stammtisch und am Tresen kommen die Gemeinde-Mitarbeiter dann mit Leuten ins Gespräch. Diese Arbeit hat Interesse bei kirchenfernen Leuten geweckt, die jetzt Sonntag für Sonntag ins „Church goes Pub“ gehen. Das ist so ein Fresh XProjekt, aus dem vermutlich eine neue Form von Gemeinde wachsen kann.

Dieses Gespräch mit Wieland Müller ist in der Sonderausgabe 1/2015 des Chrischona-Panorama zum 175-jährigen Jubiläum von Chrischona International erschienen. Die vollständige Ausgabe finden Sie Opens external link in new windowim Chrischona-Panorama Heftarchiv.