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07.12.2017 20:43 Alter: 3 days
Kategorie: Chrischona International
Von: Markus Obländer, ehemaliger Pastor Windhoek

Der Pastor hinter der Linse

Der Hobbyfotograf aus Namibia


Als ich um die Ecke des Hangars bog, stand plötzlich ein hünenhafter Mann vor mir. Er war Ende 50 und offensichtlich in Eile. Woher er mich kannte wusste ich nicht, aber diese Begegnung sollte sein Leben verändern.

Sieben Jahre als Pastor der Stadtmission Windhoek/Namibia liegen hinter mir. Sieben Jahre in einem Land, von dem ich vorher kaum etwas wusste und mich nun frage, ob ich heute schlauer bin. Natürlich haben wir in dieser Zeit viel vom Land gesehen, waren in fast jedem Winkel, haben unzählige Nächte in der afrikanischen Wildnis gezeltet und viele Menschen kennen gelernt. Trotzdem weiß ich viel zu wenig über dieses Land und seine Kulturen. Zu groß ist die Vielfalt, zu groß die Unterschiede. Namibia – ein Land der Kontraste.

Sieben Jahre bin ich Pastor und noch viel länger mit Jesus unterwegs. Vieles habe ich mit ihm er- und überlebt. Und doch weiß ich viel zu wenig über ihn. Zu vielfältig sind seine Möglichkeiten, zu unterschiedlich die Wege, die er mit Menschen geht. Ich kann ihn nur erleben, über ihn staunen und Zeugnis von ihm geben. Dies will ich hier tun:

Zu unserer Hochzeit kaufte ich meine erste Kamera. Damals konnte ich noch nicht ahnen, dass meine Frau Rahel und ich zwei Jahre später in einen Dienst nach Namibia berufen werden. Für mein neues Hobby war unser erster Dienstort natürlich keine schlechte Umgebung. Man sagt: „In Namibia kann man gar keine schlechten Fotos machen!“ Es dauerte nicht lange, bis ich anfing meine Aufnahmen zu verkaufen und vor zwei Jahren kam es zum ersten Namibia-Kalender. Die Kalender kamen gut an und so sollte es auch für 2018 wieder einen Kalender geben. Dafür hatte ich mir etwas Besonderes überlegt: Luftaufnahmen. Zwar hatte ich ein wenig Geld gespart, aber für die offiziellen Flugunternehmen war es zu wenig. So bin ich an einen Piloten geraten, der eine kleine Maschine besitzt. Da seine Maschine gerade zur Wartung in Windhoek war, schlug er ein Treffen bei der Wartungsfirma vor, um meine Flugpläne zu besprechen. Als ich um die Ecke des Hangars bog, stand plötzlich ein hünenhafter Mann vor mir. Er war ungefähr Ende 50 und offensichtlich in Eile. „Was machst du denn hier?“ Sein Tonfall und seine Körperhaltung spiegelten weniger Interesse, als vielmehr ehrliches Erstaunen. Ich kannte ihn nicht, aber er wusste scheinbar, wen er vor sich hatte und wurde durch unser Zusammentreffen aus der Fassung gebracht. „Ich bin gerade auf dem Weg in den Norden, meine 3-jährige Enkeltochter wurde im Caprivi angeschossen und hat jetzt eine Kugel im Kopf!“ Nun war ich der Fassungslose. Ich stammelte hilflose Worte des Mitgefühls und schon war unsere kurze Begegnung wieder vorbei. Im Hangar erfuhr ich, wem ich da begegnet war: Peter Keil, der Besitzer der Flugzeug-Wartungsfirma. Diese abrupte Begegnung mit dem Leid, das über diese Familie hereingebrochen war beschäftigte mich stark. Drei Tage später wurde ich gebeten, mit der Familie im Krankenhaus zu beten. Das Projektil musste dringend entfernt werden, aber die Hirnschwellung ließ keine OP zu. Auch unsere Gemeinde stand im Gebet hinter der ganzen Familie. Gott hat unser Flehen erhört. Jeden Tag ging es dem kleinen Mädchen besser und vier Tage später konnte sie erfolgreich operiert werden. Heute, 8 Monate später, ist sie wieder quicklebendig. Peter und seine Familie gehören seitdem zu unserer Gemeinde. Vor Kurzem gab er im Gottesdienst ein bewegendes Zeugnis, wie es durch diesen Vorfall und unsere „zufällige“ Begegnung an diesem Tag dazu gekommen ist, dass er Jesus Christus sein Herz und sein Leben ganz geöffnet hat.

Übrigens, zu den geplanten Luftaufnahmen ist es nie gekommen. Rückblickend wird deutlich, dass Gott an diesem Tag mein Hobby gebraucht hat, um mich im Augenblick der größten Not in Peters Weg zu stellen. Aber auch hier durfte ich lernen, Gottes vielfältigen Möglichkeiten nicht zu unterschätzen: Im vergangenen Monat wurde ich von Peter und seinem Sohn eingeladen, vier Tage lang im Namib-Naukluft-Nationalpark zu fliegen. Dabei sind viele geniale Luftaufnahmen entstanden.