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01.02.2016 12:35 Alter: 2 yrs
Kategorie: Gemeinden
Von: Thomas Sackmann

Church goes Pub

Ein innovatives Projekt der Evangelischen Chrischona-Gemeinde Braach


Church goes Pub in Rotenburg an der Fulda

„Church goes Pub“ ist für Menschen, denen Sonntagmorgen zu früh, Kirchenbänke zu hart und Predigten zu theoretisch sind.

Ein Kneipenabend, an dem man Gott begegnen kann

„Church goes Pub“ findet etwa alle zwei Monate in der „Galerie“ in Rotenburg statt.

Logo von Church goes Pub

Provokant: Das Logo von Church goes Pub zeigt eine Bierflasche als Kirchturm.

In Rotenburg an der Fulda geht die Kirche in die Kneipe. „Church goes Pub“ heisst das Projekt der Evangelischen Chrischona-Gemeinde Braach in Hessen.

Provokanter Slogan

„Church goes Pub ist für Menschen, denen Sonntagmorgen zu früh, Kirchenbänke zu hart und Predigten zu theoretisch sind.“ Zugegeben, unser Slogan ist provokativ! Ironie der Geschichte: Die Kneipe, in der das ganze stattfindet, hat unter anderem alte Holzbänke, die jeder kerzengeraden, harten und ungemütlichen Kirchenbank locker das Wasser reichen können. Egal, die Kneipe ist trotzdem fast jedes Mal bis auf den letzten Platz gefüllt.

Bierflasche als Kirchturm

Aber der Reihe nach. Sonntagabend, 18 Uhr. Der Raum füllt sich mit Menschen. Auf den Tischen brennen Kerzen, aufgesteckt auf einer Bierflasche. Daneben je ein aus Pappe gebasteltes Kirchenschiff.  Zusammen bilden sie das Logo von „Church goes Pub“ – wieder so eine Provokation: Eine Bierflasche als Kirchturm mit Kreuz.

Wie geschaffen für Männer, die Fragen über Gott haben

Noch sieht es aus wie ein ganz normaler Bistroabend in der „Galerie“, einer gemütlichen Kneipe in Rotenburg an der Fulda. Die Gäste trinken ein Bier, bestellen ihr Essen, reden, lachen, begrüßen sich. Viele haben ihre Freunde mitgebracht. Die Sitzplätze an den Tischen sind längst belegt. Manche stehen an der Wand entlang oder sitzen auf den Barhockern am Tresen. Ein „Männerproblem“ haben wir nicht. An was das wohl liegt? Kann man doch ganz unbefangen am Tresen sitzen und sein Bierchen trinken, muss nicht singen, beten, aufstehen, oder sonst etwas machen – einfach da sein, ohne, dass jemand etwas von einem will. Wie geschaffen für Männer, die Fragen über Gott haben.

Geschichten mit Gott

Dieser Abend ist wieder eine gute Möglichkeit, Menschen mit Gott in Kontakt zu bringen und über Erfahrungen mit ihnen über den Glauben an Jesus Christus ins Gespräch zu kommen. Ganz ungezwungen beim Abendessen in der Kneipe mit Fremden und Freunden. Genau das geschieht an jedem „Church goes Pub“-Abend ab 20 Uhr, wenn jemand aus seinem Leben erzählt. Keine theoretische Predigt, sondern Menschen wie du und ich, die ihre Geschichte mit Gott erzählen.

Wo habe ich Gott in meinem Leben erfahren?

Ein ehemaliger hochrangiger Berufssoldat, der zweifacher Witwer ist und durch seine zweite Frau Gott begegnet. Ein Geschäftsmann, der an einem Burn-out fast zerbrochen ist und sein Leben neu geordnet hat. Ein Pastor, der in tiefe Depressionen fällt und seine ganz persönlichen Fragen an Gott hat, zweifelt, angefochten ist. Eine Mutter, die ihren Mann mit Mitte dreißig durch eine Krebserkrankung verliert und mit den kleinen Kindern alleine zurück bleibt. Geschichten, die das Leben schreibt. Immer geht es dabei um die Fragen: Wo und wie habe ich Gott in meinem Leben erfahren? Was hat der Glaube an einen lebendigen Gott mit meinem Alltag, mit meinen Krisen, Herausforderungen und auch den schönen Momenten meines Lebens zu tun?

Geschichten geben Antworten

Ich kann nur immer wieder selbst staunen, wenn ich diese Geschichten höre und realisiere, dass Gott real ist und mit jedem Menschen seine ganz persönliche und individuelle Geschichte schreibt. Oft auch durch Leid, Krisen und Herausforderungen. Aber Gott enttäuscht nicht, er ist treu!
Jeder Christ könnte hier sein Zeugnis, seine Geschichte mit Gott erzählen. Wir wollen keine Glaubenshelden und Berühmtheiten der christlichen Szene präsentieren, sondern Lebensgeschichten aus der Lebenswirklichkeit der Zuhörer. Wir erleben an diesen Abenden, dass Menschen Fragen an das Leben und an Gott haben, auf der Suche nach Sinn und Halt sind. Sie wollen wissen, was Christsein bedeutet. In den Lebensgeschichten finden sie oft Antworten auf ihre eignen Fragen.

Wer kommt zur Kirche in die Kneipe?

Wir als „Church goes Pub“-Team können immer wieder nur staunen, wie unterschiedlich die Menschen sind, die an diesen Abenden in die Kneipe kommen. 60 bis 80 Personen im Alter zwischen 20 und 70 Jahren. Viel mehr Platz bietet diese Kneipe auch gar nicht. Aber diese kuschelige Enge ist genau die besondere Atmosphäre, die die Gäste so lieben und die Gemeinschaft miteinander vermittelt.
Natürlich kommen Christen, auch aus anderen Gemeinden. Aber was viel spannender ist: Es kommen viele Christen, die z.B. von christlichen Gemeinden enttäuscht, verletzt oder sogar rausgeflogen sind, weil sie moralisch nicht genügt haben, eine Ehe gescheitert ist, oder sonst etwas in ihrem Leben passiert ist, was nicht in das fromme Weltbild der Gemeinde passt. Anstatt, dass sie dann in der Gemeinde Halt finden, werden Schranken aufgerichtet. Es sind Menschen, die möglicherweise moralisch gescheitert sind, aber dennoch glauben wollen, die Gemeinschaft mit anderen Christen suchen, die ihnen vorbehaltlos begegnen. Gerade dafür ist „CgP“ ein guter Ort - ein Ort der Begegnung mit Gott und Christen - ohne Vorbehalte. Und es kommen Menschen, die mit Gott und Gemeinde, wenig bis gar nichts am Hut haben, aber auf der Suche nach Gott sind.

Gott in der Kneipe begegnen

Nach der Lebensgeschichte gibt es noch zwei weitere Lieder unserer Band und eine offene Fragerunde an den Redner. Mindestens dreieinhalb Stunden waren Menschen zu Gast in der Kneipe und konnten dabei Gott begegnen. Was für eine geniale Chance. Oft entstehen noch lange tiefgründige Gespräche an den Tischen, über Gott und das Leben.

Was in Magdeburg klappt, geht auch in Rotenburg

„Church goes Pub“ ist ursprünglich eine Idee junger Christen aus Magdeburg. Wir haben uns gefragt: „Kann das, was in einer Studentenstadt funktioniert, auch in einer nordhessischen Kleinstadt gelingen?“ Es war für uns ein Vertrauensschritt, dieses Projekt in Rotenburg zu beginnen. Gott hat dafür den richtigen Moment geschenkt, die Türen geöffnet und es hat sich schnell ein motiviertes, leidenschaftliches und buntes Team von Christen gebildet, die sich bis heute in dieses Projekt investieren.

Die Menschen heute sind offen und auf der Suche, haben ihre Fragen an Gott. Mit „Church goes Pub“ gehen wir als Christen zu den Menschen hin, an einen Ort, an dem sie sich auch sonst treffen, der ihnen vertraut ist. Jesus hat zwar gesagt: Kommt her zu mir! Aber zu den Jüngern hat er gesagt: Gehet hin – das tun wir mit „Church goes Pub“.